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E-Book – Chancen und Potenziale für Museen

Das E-Book ist ein Thema, das zurzeit die Verlagsszene umtreibt. Auch wenn die wirtschaftliche Bedeutung momentan noch gering ist (aktueller Umsatzanteil: 1,8%), schwant dem Buchhandel, dass ihm das Gleiche drohen könnte wie der Musikindustrie: ein Kollaps der bisherigen Geschäftsmodelle.

Aus Sicht der Museen und Kultureinrichtungen stellt sich die Lage etwas anders dar. Sie liefern in erheblichem Umfang hochwertige Inhalte (Ausstellungs- und Sammlungskataloge, Führer, Tagungsberichte …), erwirtschaften damit aber in der Regel keine Einnahmen. Im Gegenteil: Der Normalfall sind Projekte, bei denen über einen Druckkostenzuschuss das verlegerische Risiko abgefangen wird und die Verkaufserlöse die Produktionskosten nicht decken. Museen publizieren, um ihrem Vermittlungsauftrag gerecht zu werden, der Kaufpreis ist letztlich nur ein Unkostenbeitrag des Lesers.

Schon deshalb lohnt es sich für Museen, sich mit den neuen Möglichkeiten des digitalen Publizierens auseinanderzusetzen. Auf der Internationalen Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik (MUTEC) in Leipzig haben wir in einem Vortrag die Chancen und Potenziale des E-Books für Museen diskutiert.

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Damit Museen die Potenziale des neuen Mediums optimal nutzen können, sollten sie die im Print-Bereich eingespielten Verhältnisse nicht einfach auf das digitale Publizieren übertragen. Ein wichtiges Thema ist sicherlich das Self-Publishing, das ohne Verlag auskommt. So publizieren Bestseller Autoren wie Seth Godin inzwischen die digitale Version ihrer Bücher auf eigene Rechnung (siehe den Blogpost auf epublizisten). Auch bei Museen sind Qualitätssicherung und Bekanntheit bereits über die Institution gegeben und müssen nicht unbedingt über die Marke des Verlages erreicht werden.

Als erster Schritt können bereits vorhandene Texte (vom Faltblatt bis zum Katalog) bei Portalen wie issuu.com, scribd.com oder docstoc.com eingestellt werden. Der Upload ist kostenlos, schnell und funktioniert ganz einfach.  Die Portale akzeptieren alle gängigen Formate, es entsteht also kein Aufwand für die Konvertierung. Wer diese Kanäle regelmäßig nutzt, hat die Chance, die attraktive Zielgruppe der jungen und web-affinen „internet natives“ zu erreichen. Über eingebaute Sharing-Buttons wird den Nutzern leicht gemacht, solche Veröffentlichungen über Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter weiterzuverbreiten. Und sie lassen sich durch wenige Mausklicks auf eigene oder fremde Websites einbetten.

Einen echten Mehrwert für Museumsbesucher bieten Mobile E-Books, also digitale Bücher, die auf Smartphones gelesen werden. Sie machen die Informationen dort bequem verfügbar, wo sie gebraucht werden: direkt vor den Exponaten. Bei den Enhanced E-Books kann das digitale Medium seine Potenziale voll ausspielen. Solche „erweiterten“ E-Books können Multimedia-Content abspielen, ins mobile Web vernetzen, die Standortinformationen des Gerätes auswerten und interaktive Elemente wie Quiz-Spielen enthalten. Es ist durchaus denkbar, dass multimediale E-Books in Zukunft eine Alternative zu Audioguides und nativen Museums-Apps sein werden.

Die Museen sollten schon heute beginnen, Erfahrungen mit dem Medium E-Book zu sammeln und Konzepte zu erarbeiten, wie sich die Potenziale der neuen Publikationsformen im Interesse des eigenen Auftrags optimal nutzen lassen.

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Veröffentlicht unter Mobile Publishing, Museen
Ein Kommentar auf “E-Book – Chancen und Potenziale für Museen
  1. WobIntosh sagt:

    Warum PDFs auf Plattformen (amerikanischer) Unternehmen einstellen? Es genügt doch vollkommen, die Dokumente auf der eigenen Seite hochzuladen, ggf. noch zusätzlichauf Fachplattformen oder Wissenschafts-Netzwerken wie academia.

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